Funding durch die Crowd: Was ist das?

Grundlegende Idee des Funding

Das Prinzip des Crowdfunding ist einfach: Nicht ein Investor (zum Beispiel eine Bank) leiht die gesamte Summe Geldes zu ihren Konditionen an den Unternehmer, sondern viele Investoren tragen eine kleine Summe zum Funding bei, bis der notwendige Betrag erreicht ist. Während zu den Anfangszeiten des Crowdfunding zunächst das Funding rein wohltätiger Projekte im Vordergrund stand, werden heute mehr und mehr „“for profit““-Projekte finanziert. Nicht zuletzt wurde diese Entwicklung durch das Versagen des herkömmlichen Bankensektors und die steigenden Anforderungen an das

aufzubringende Eigenkapital und die persönliche Besicherung der Kredite beschleunigt.

Wer bestimmt die Konditionen des Funding?

Geht man mit seinem Funding-Anliegen zur Bank und liefert seine Finanzierungsunterlagen dort ab, erhält man im positiven Falle nach einer gewissen Zeit ein Kreditangebot. In diesem Angebot listet die Bank auf, zu welchen Konditionen sie die Finanzierung übernehmen würde. Dazu gehören zum Beispiel die Laufzeit des Kredites, die Tilgung, der Zinssatz, abzuliefernde Garantien, und oft auch noch eine „“Vorfälligkeitsentschädigung““ für die Bank, sollte der Unternehmer wirtschaftlich erfolgreicher sein, als gedacht, und das Darlehen vorfristig zurückzahlen wollen. Die Rolle der Bank bei der Kreditvergabe ist also eine, die sicherstellt, dass die Bank – unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers – in jedem Fall die vorab berechnete Gewinnspanne erreicht. Die einzige Wahl, die der Unternehmer bei einer Bankenfinanzierung hat: Er kann auf das Darlehen dankend verzichten. Crowdfunding geht ganz anders. Hier begeistert der Unternehmer den interessierten Kleininvestor mit seiner Idee und seinem Projekt. Er rechnet vor, welchen Gewinn er mit seiner Idee machen kann und bietet dem Kleininvestor an, daran zu einem gewissen Prozentsatz zu partizipieren. Und zwar so, dass trotzdem genügend Spielraum für die Unternehmensentwicklung bleibt. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass der Unternehmer die Bedingungen für das Funding festlegt, und der Kleininvestor entscheidet, ob er es annimmt, oder nicht. Die jeweilige Einzelentscheidung, also die Annahme oder Nichtannahme des Angebots durch den Kleininvestor, hat dabei bei Weitem nicht dieselbe Tragweite, wie die Entscheidung bei der Bank – handelt es sich doch nicht um den gesamten Finanzierungsbetrag, sondern nur um einen unter Umständen sehr geringen Bruchteil davon. Stimmt das Angebot insgesamt und schneidet es im Marktumfeld gut ab, werden sich andere dafür entscheiden.

Beteiligung oder Kredit beim Funding?

Vor dem Start eines Crowdfunding muss man sich darüber klar werden, welche Finanzierungsart für das eigene projekt besser geeignet ist. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Finanzierung:

  • Beteiligungskapital
  • Funding als Darlehen

Beim Beteiligungskapital erwirbt der Investor (also in diesem Falle die Crowd) einen Teil des Unternehmens und wird dadurch zum Mitbesitzer. Wie viel Prozent des Unternehmens an die Investoren gehen, wird vorab durch eine Bewertung des Unternehmens geregelt. Welche Rechte die Crowd als Mitunternehmer hat, sollte vorab gut überlegt werden: Bevorzugt hat die Crowd eine Beteiligung unter 50 %, wobei die Anteile zwar berechtigt sind, an Dividendenausschüttungen teilzunehmen, nicht jedoch Stimmrechte auszuüben. In diesem Falle begründet das Crowdfunding ein rein finanzielles Verhältnis zwischen Crowd und Unternehmer. Bei einem Funding mit Beteiligungskapital der Finanzier viel mehr an das Unternehmensergebnis gebunden ist, als bei einem Darlehen. Dividende wird nur dann gezahlt, wenn das Unternehmen profitabel ist. Mehr noch: Der Finanzier belässt sein gesamtes Kapital im Unternehmen. Eine schrittweise Rückzahlung findet – anders als bei einem Darlehen – nicht statt. Zu einem vorab vereinbarten Zeitpunkt kauft der Unternehmer dem Finanzier seine Beteiligung wieder ab. Und zwar dann zu dem Wert, den das Unternehmen dann besitzt. Für den Unternehmer ist das Crowdfunding als stimmrechtslose Beteiligung ideal, eignet sich aber nur für Unternehmen und Projekte, die langfristig angelegt sind, und wo die Vorhersage einer attraktive Wertsteigerung des Unternehmens glaubwürdig dargelegt werden kann.

Das gewisse Extra zum Funding

Crowdfunding bietet neben den herkömmlichen finanziellen Anreizen für die Investition auch die Möglichkeit, den Investoren andere (auch geldwerte) Vorteile einzuräumen. So ist es zum Beispiel durchaus üblich, den Crowdfundern zum Beispiel Rabatte auf Produkte oder Dienstleistungen des finanzierten Unternehmens zu gewähren und somit ihre Investitionsbereitschaft zu erhöhen. Auch ist es durchaus üblich, die Investoren „“unterschiedlich gut““ zu behandeln: Um eine Crowdfunding Campaign anzustoßen, können zum Beispiel den ersten und frühen Investoren bessere Konditionen eingeräumt werden, als den Nachzüglern. Somit hat man auch noch während eines laufenden Crowdfundings Stellschrauben zur Hand, um das Funding zu beeinflussen.

Für welche Projekte eignet sich für das Funding?

Vorzugsweise für leicht verständliche Vorhaben, die einen offensichtlichen Nutzen für viele haben – wie zum Beispiel die Entwicklung eines neuen Alltagsproduktes. Denn ein Crowdfunding wird um so besser angenommen, als dass die Investoren das Gefühl haben, mit dem Funding auch Gutes zu tun.

Authored by: Tobias