Definition: Open Innovation

Open Innovation ist eine Methode, um den Innovationsprozess von Unternehmen und Organisationen zu verbessern, zu beschleunigen und die Ergebnisse von Innovationen effizienter zu nutzen. Grundlage der Idee ist die Annahme, dass Unternehmen in einer stark vernetzten Welt erhebliche Qualitätseinbußen bei der Innovation von Produkten oder Dienstleistungen erleiden, wenn sie sich ausschließlich auf interne Quellen stützen. Die Beschleunigung und Optimierung von Innovationsprozessen wird im Rahmen der zunehmenden Globalisierung und aufgrund der verkürzten Lebensdauer von Produktzyklen als notwendig erachtet. Open Innovation ist ein Ansatz, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Kernprozesse von Open Innovation

Die Mechanik des Open Innovation-Modells lässt sich in drei grundsätzlichen Prozessformen definieren. Der Outside-In-Prozess ist die Einbindung von außerhalb eines Unternehmens existierendem Wissen. Der Prozess beschreibt also die Einbindung des Wissens Dritter, um daraus eigene Innovationen und Produkte zu schaffen (Crowdsourcing). Im Gegensatz dazu dient der Inside-Out-Prozess dazu, in einem Unternehmen vorhandenes Wissen nach außen zu tragen. Diese Externalisierung wird zum Beispiel genutzt, um Wissen, das innerhalb des Unternehmens nicht nutzbar ist, zu monetarisieren. Dies kann über den Verkauf oder die Lizenzierung des Wissens geschehen. Der Coupled-Prozess ist die Mischform der beiden vorgestellten Prozesse. Hierbei findet neben dem Austausch von Wissen in beide Richtungen gleichzeitig eine Anpassung des Marktes statt. Die Kommunikation dient der Vereinheitlichung von Technologien und Innovationen, um so im Dialog mit Kunden und Geschäftspartnern durch Open Innovation Standards zu schaffen, die allgemein gültig und anwendbar sind. Open Innovation ist somit eine vollkommen neue Form von Innovationsmanagement, die verwandt mit dem Crowdsourcing ist. Es wird auf einer entsprechenden Plattform angeboten und eignet sich vor allem für Innovationsprozesse, die sich mit Technologie und Design befassen.

Umsetzungsmodelle von Open Innovation

Open Innovation lässt sich fünf Umsetzungsmodellen zuordnen:

  • Product Platforming
  • Kollaborative Produktentwicklung
  • Ideenwettbewerbe
  • Innovationsnetzwerke
  • Kundeneinbindung

Product Platforming beschreibt einen Ansatz der Open Innovation, bei dem ein teilweise fertiges Produkt bereitgestellt wird, um dieses als Plattform für die Entwicklung weiterer, teilweise erheblich komplexerer Produkte zu verwenden. Ein Beispiel für Product Platforming ist die Entwicklung und Verbreitung von Software Development Kits. Mit diesen stellt ein Unternehmen Entwicklern kostenlos oder entgeltlich eine vollständige Entwicklungsumgebung für Software zur Verfügung. Angestrebt wird hierbei ein Netzwerkeffekt durch die starke Verbreitung einer gemeinsam genutzten Entwicklungsplattform. Die kollaborative Produktentwicklung ist eine Sonderform des Open Platforming. Hierbei stellt ein Unternehmen nicht nur die Entwicklungsplattform für Innovationen bereit, sondern behält auch die vollständige Kontrolle über die hierbei entwickelten Produkte. Zwar sinkt auf diese Weise der Verbreitungsgrad der neuen Innovationen, das treibende Unternehmen erhält jedoch eine schnellere Entwicklung in kürzerer Zeit bei gleichzeitig höherer Kontrolle. Die Einbindung von externen Entwicklern und Kunden über Ideenwettbewerbe dient zwei Zwecken: Zunächst erhält ein Unternehmen so zahlreiche neue Innovationen von außen. Außerdem gewähren die von außen herangetragenen Ideen einen Einblick in die Perspektive der Konsumenten auf die gewünschten Produkte des Unternehmens. Für Teilnehmer an Ideenwettbewerben entsteht durch die Vergabe von Preisen und Bestenlisten für Ideen ein starker Motivator zur Beteiligung. Ideennetzwerke folgen demselben kompetitiven Muster. Hierbei ist das Ziel der Entwicklung allerdings ein vorgegebenes spezifisches Produkt. Kundeneinbindung wird vor allem in der Endphase der Entwicklung von Innovationen verwendet. Neben dem Einsteuern externer Ideen in ein Konzept entsteht so gleichzeitig der Effekt, dass die Meinung von potenziellen Kunden des zukünftigen Produkts abgefragt werden kann.

Vorteile von Open Innovation

Die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen mit Unterstützung externer Beteiligter bietet einem Unternehmen zahlreiche Vorteile für das Management von Innovationen. An erster Stelle ist der Einspareffekt für Forschung unter Entwicklung zu nennen. Ausgehend von der Idee der Schwarmintelligenz bietet sich Unternehmen die Möglichkeit, sich zur Entwicklung nicht auf das Wissen weniger interner Experten zu verlassen, sondern eine ähnliche Qualität durch das Wissen und die Ideen vieler Einzelner zu ersetzen und so Lösungen zu finden. Neben den geringeren Kosten entsteht so als zweiter Effekt ein erhebliches Potenzial für eine Steigerung der Produktivität bei der Ideenfindung. Ein weiterer Vorteil von Open Innovation ist die frühzeitige Einbindung von potenziellen Kunden. Diese nehmen bereits lange vor der Vermarktung des Produkts Teile oder das Ganze wahr. Zudem entsteht durch die Einbindung ein Immersionseffekt, da die Beteiligung am Projekt zu einer Identifizierung mit diesem führt. Außerdem bieten Projekte unter Beteiligung vieler externer Teilnehmer bei gutem Management ein erhebliches Potenzial für virales Marketing, da jeder Teilnehmer potenziell auch Werbeträger für die entstehende Innovation ist.

Nachteile von Open Innovation

Neben diversen Vorteilen ist der Einsatz von Open Innovation allerdings auch mit Risiken und Nachteilen behaftet. Die größte Gefahr besteht in der Preisgabe von Informationen, die essenziell für den Bestand eines Unternehmens sind. Es gilt also, bereits im Vorfeld abzuklären, welche Informationen grundsätzlich preisgegeben werden dürfen und welche unbedingt schützenswert sind. Ansonsten besteht das Risiko, Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Außerdem ist die Steuerung von offenen Innovationsprozessen von erheblicher Komplexität. Neben der Informationssteuerung gilt es, alle Beteiligten zielführend einzubinden. Da die beteiligten oftmals aus rein intrinsischer Motivation teilnehmen, ist die Steuerung entsprechend schwierig. Zudem müssen Unternehmen Verfahren und Richtlinien entwickeln, um externe Leistungen einbinden zu können und um die gewonnenen Ergebnisse optimal in die bestehenden Unternehmensstrukturen einzubinden.

Authored by: Tobias