Crowdfunding Steuern

Informationsartikel zum Thema Crowdfunding Steuern

Das englische Crowdfunding heißt, etwas steif übersetzt, zu Deutsch Finanzierung durch eine Menge oder durch eine Menschenmasse. Der heutzutage feststehende Begriff Crowdfunding ist eine projektbezogene Finanzierungsmethode, bei der eine Vielzahl von Geldgebern zweckgebunden kleinere Summen zur Verfügung stellt. Die benötigte Gesamtsumme steht fest, bevor auf einer Onlineplattform das Projekt präsentiert wird. Einfach ausgedrückt wird solange gesammelt und gewartet, bis der benötigte Finanzierungsbetrag erreicht ist. Geschieht das nicht, ist da Projekt schon in dieser Phase gescheitert. Doch das ist nur selten der Fall. Der Plattformbetreiber vermittelt die Kontakte zwischen dem Geldsuchenden sowie den Geldgebern und gewährleistet die Kommunikation. Bei demjenigen, der das Projekt plant und dafür Geld sucht, handelt es sich ausnahmslos um einen Unternehmer, also um einen Selbstständigen oder einen Gewerbetreibenden. In aller Regel ist die Rechtsform des Unternehmens eine Kapitalgesellschaft, seltener eine BGB-Gesellschaft als Personengesellschaft.

Die Geldgeber stellen ihre jeweilige Crowdfunding-Summe für das Projekt zur Verfügung, das ihnen vorgestellt wird, und für das sie sich begeistern. Im Gegenzuge erwarten sie, dass das Projekt tatsächlich umgesetzt wird. Darüber hinaus sind mit der Projektrealisierung mögliche andere Gegenleistungen verbunden, die entweder in Geld oder als Sachwert erbracht werden. Auf jeden Fall erhalten die Geldgeber für ihre Leistung eine Gegenleistung, auch wenn es lediglich eine angemessene Verzinsung ist. Für den Zahlungsempfänger ist die Crowdfunding-Summe eine Einnahme für sein Unternehmen, sprich eine Betriebseinnahme. Die Gutschrift wird auf seinem Firmenkonto verbucht. Bei der nächsten betriebswirtschaftlichen Auswertung, spätestens aber bei Erstellung des Jahresabschlusses, stellt sich die Frage nach der steuerlichen Behandlung dieser Einnahme.

Aus einkommensteuerlicher Sicht steigert eine Crowdfunding-Einnahme die Summe der betrieblichen Einnahmen. Dadurch erhöhen sich das steuerpflichtige Einkommen und die damit verbundene Steuerlast. Das ist ganz unabhängig davon zu bewerten, wie die Geldgeber eine Crowdfunding-Zahlung ihrerseits steuerlich erklären. Die Einkommensteuer beziehungsweise Kapitalertragssteuer ist auf jeden Fall eine der zu zahlenden Crowdfunding Steuern. Nach § 1 UStG, des Umsatzsteuergesetzes unterliegen Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Rahmen seines Unternehmens im Inland ausführt, der Umsatzsteuerpflicht. Dass ein Leistungsaustausch zwischen Geldgebern und dem Geldnehmer stattfindet, steht zweifelsfrei fest. Der steuerpflichtige Leistungsaustausch findet statt, wenn eine Leistung erbracht wird, die eine gewollte oder erwartete Gegenleistung auslöst. Zwischen Leistung und Gegenleistung muss ein innerlicher Zusammenhang bestehen. Das trifft auf das Crowdfunding zu. Die Betriebseinnahme des Geldempfängers ist also umsatzsteuerpflichtig. Die erhaltene Summe ist eine Bruttoeinnahme, die sich um die anteilige Mehrwertsteuer reduziert. Der Unternehmer muss wie folgt rechnen:

• 10.000 Euro erhaltene Crowdfunding-Summe als Bruttobetrag
• – 1.597 Euro darin enthaltene 19%ige Mehrwertsteuer
• 8.403 Euro verbleiben als Nettobetrag zur zweckgebundenen Nutzung

Je nach Vereinbarung mit dem örtlichen Betriebsfinanzamt wird die Umsatzsteuer monatlich, vierteljährlich oder jährlich erklärt und abgeführt. Der Unternehmer ist gut beraten, den anteiligen Umsatzsteuerbetrag von Beginn an zu separieren und bei seinen Planungen ohne ihn zu rechnen. Bei seiner Projektpräsentation auf der Onlineplattform ist es hilfreich und transparent, dass dort auf die Besteuerung der Crowdfunding-Summe hingewiesen wird. Wenn für die Projektfinanzierung zehntausend Euro kalkuliert sind, dann werden insgesamt 11.900 Euro benötigt. Die Rechnung sieht folgendermaßen aus:

• 10.000 Euro Nettobetrag zur zweckgebundenen Nutzung
• + 1.900 Euro 19%ige Mehrwertsteuer
• 11.900 Euro benötigte Crodwfuning-Summ als Bruttobetrag

In diesen beiden Fällen zählt die Umsatzsteuer ebenfalls zu den Crowdfunding Steuern. Eine Umsatzsteuerpflicht besteht nur dann nicht, wenn sich der Unternehmer für die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz entschieden hat. In diesem Falle wird er umsatzsteuerlich wie ein Endverbraucher behandelt. Umsatzsteuer wird von ihm weder berechnet noch abgeführt, und umgekehrt verzichtet er auf die Umsatzsteuererstattung. Jeder Bürger zahlt die gesetzliche Mehrwertsteuer für Lieferungen und Leistungen, ohne sie vom Finanzamt erstattet zu bekommen. Die Kleinunternehmerregelung ist an bestimmte Umsatzhöhen gebunden. Wenn diese Voraussetzung erfüllt wird, dann sind Brutto- und Nettobetrag identisch.

• 10.000 Euro Nettobetrag zur weckgebundenen Nutzung
• 0 Euro Mehrwertsteuer
• 10.000 Euro Bruttobetrag zur zweckgebundenen Nutzung

Die Crowdfunding Steuern würden sich in diesem Falle auf die Einkommen-/Kapitalertragsteuer beschränken.

Die Thematik der Umsatzsteuer als eine der beiden Crowdfunding Steuern lässt sich im Detail noch verfeinern. Ob der volle Umsatzsteuersatz von 19% gilt, oder aber der vergünstigte von 7%, ist vom Verwendungszweck der Einnahme abhängig. Da es sich um ein klar definiertes Projekt mit den dazugehörigen Einnahmen und Ausgaben handelt, steht also auch im Vorhinein der Umsatzsteuersatz fest. Diese Frage zu klären ist lohnenswert, weil die Differenz von 12% zwischen den beiden Umsatzsteuersätzen finanziell durchaus spürbar ist.

Letztendlich berechnet der Plattformbetreiber seine eigenen Kosten ebenfalls zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Dieser Dienstleistungsaustausch wird mit dem normalen Umsatzsteuersatz von 19% angesetzt. Der Geldempfänger muss diesen Bruttovertrag rechnerisch von dem Erlös des Crowdfundings abziehen. Ist er vorsteuerabzugsberechtigt, dann wird die anteilige Umsatzsteuer vom Finanzamt erstattet. Rechnet er nach der Kleinunternehmerregelung ab, ist der gesamte Bruttobetrag eine nichtabzugsfähige Betriebsausgabe. Die kann wiederum bei der Einkommensteuererklärung steuerlich geltend gemacht werden. Sie reduziert das steuerpflichtige Einkommen und somit auch die zu zahlende Steuer.

Mögliche Crowdfunding Steuern sind somit die Einkommen-/Kapitalertragssteuer sowie die Umsatzsteuer.

 

Authored by: Tobias