Crowdfunding Steuern: das müssen Sie wissen

Zwar laufen Crowdfunding-Projekte an und für sich relativ unkompliziert ab: Es ist leicht, ein Projekt zu beginnen und dieses online laufen zu lassen. Die steuerlichen Hintergründe allerdings können durchaus kompliziert sein. Daher ist es wichtig, sich vor dem Start von einem Projekt auf einer entsprechenden Plattform ausreichend zu informieren, woraus sich Crowdfunding Steuern ergeben.

Crowdfunding ist nicht steuerfrei

Ob Crowdfunding steuerfrei ist oder nicht, wird im Internet an vielen Stellen kontrovers diskutiert. Häufig wird davon ausgegangen, dass es steuerfrei sei, weil es sich um eine Schenkung der Finanzierung handle. Dies ist allerdings nicht der Fall. Wer Crowdfunding betreibt, muss genauso Steuern zahlen wie jeder andere Gewerbetreibende. Denn für eine Schenkung darf keine Gegenleistung vorliegen. Die allermeisten Crowdfunder-Projekte beruhen jedoch auf einer Gegenleistung. Dabei ist es juristisch irrelevant, ob es sich bei der Gegenleistung um einen materiellen Wert oder um einen ideellen Wert handelt, wie etwa die Nennung des eigenen Namens innerhalb des Projektes. Und auch wenn keine Gegenleistung erfolgt, kann juristisch nicht von einer Schenkung gesprochen werden. Ein Crowdfunder-Projekt nämlich wird in fast jedem Fall für einen kommerziellen Zweck genutzt, was dem Gedanken einer Schenkung widerspricht. Selbst wenn es nicht für einen kommerziellen Zweck genutzt wird, ist das gesamte Projekt rechtlich immer noch eine Gegenleistung für den Geldgeber. Diese Voraussetzungen sind von enormer Bedeutung für jeden, der ein Crowdfunder-Projekt startet. Denn wer dies tut, muss häufig Steuern zahlen. Dies gilt also, entgegen dem allgemeinen Gedanken, nicht nur für Gründer und Startups, die Geld für ihr Unternehmen sammeln und ihr Geschäft finanzieren. Wer sich daran nicht hält, läuft Gefahr, Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen.

Art des Rechtsgeschäfts beim Crowdfunding

Bei dem Rechtsgeschäft, das beim Crowdfunding getätigt wird, handelt es sich um einen Kaufvertrag. Dies ist unabhängig davon, ob es sich um ein Dankeschön materieller Natur oder um ein Dankeschön immaterieller Natur, wie die Nennung des Namens, handelt. Da die Organisation in aller Regel übers Internet stattfindet, gelten hier die besonderen Regeln für Fernabsatzverträge, insbesondere das Widerrufsrecht. Die Tatsache, dass es sich um einen Kaufvertrag handelt, begründet die Art der Steuern.

Crowdfunding Steuern: Einkommensteuer

Wer Crowdfunding betreibt, muss in den meisten Fällen auch Einkommensteuer zahlen. Dies gilt sowohl für Privatpersonen als auch für Einzelunternehmer und für Unternehmer in Personengesellschaften. Die Umsätze, die erzielt wurden, können mit den getätigten Ausgaben gegengerechnet werden. Aus dem Ergebnis ergibt sich der Gewinn oder das Einkommen. Da normalerweise eine feste Summe angegeben wird, die für das Projekt gezahlt werden soll, können die Zahlen bei Nachfragen des Finanzamts problemlos nachgewiesen werden. Entsteht ein Gewinn, muss dieser ganz normal versteuert werden. Wenn es sich beim Initiator des Projekts nicht um eine Privatperson, einen Einzelunternehmer oder einen Unternehmer in Personengesellschaften, sondern um eine Kapitalgesellschaft handelt, müssen auf den Gewinn zusätzlich auch Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer bezahlt werden.

Crowdfunding Steuern: Umsatzsteuer

Darüber hinaus fällt noch eine weitere Steuer an: Die Umsatzsteuer. Da es sich um einen Kaufvertrag handelt, werden die Initiatoren zu Unternehmern und sind als solche auch umsatzsteuerpflichtig. Allerdings gibt es als Kleinunternehmer die Möglichkeit, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen, wenn der Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht höher als 17.500 Euro gewesen ist. Crowdfunder-Projekte unterhalb dieser Grenze von 17.500 Euro sind also von der Umsatzsteuer befreit. Sie müssen dies allerdings vor dem Finanzamt nachweisen. Wenn es bei einem Crowdfunding-Projekt mehrere Initiatoren gibt, können sie den Umsatz auf die einzelnen Personen aufteilen. Üblicherweise beträgt die Umsatzsteuer 19 Prozent. Allerdings sollte beachtet werden, dass einzelne Prämien mit einem geringeren Umsatzsteuersatz belegt sind.

Steuern beim Crowdfunding: Weitere Voraussetzungen

Zusätzlich zu diesen beiden Steuern müssen beim Crowdfunding unter Umständen weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Wenn das Projekt unternehmerischer Natur ist, müssen die Initiatoren auf die Honorare der Dienstleister, die sich über die Künstlersozialkasse versichern, Abgaben an die Künstlersozialkasse zahlen. Wer unter diese Regelung fällt, sollte sich genau informieren, in welchem Fall wie viel zu zahlen ist. Im Jahr 2014 betrug die zu leistende Abgabe 5,2 Prozent der Honorare. Des Weiteren muss jeder, der Crowdfunding mit unternehmerischem Charakter betreibt, ein Gewerbe anmelden. Dies läuft übers Amt, bei dem für ein geringes Entgelt ein Gewerbeschein beantragt wird. Außerdem wird ein Gang zum Finanzamt verlangt. Ob dieser Schritt nötig ist, hängt in Deutschland davon ab, ob das Unternehmen langfristigen kommerziellen Charakter hat. Im Zweifelsfall sollte vor einer Gewerbeanmeldung immer ein Anwalt oder eine andere kompetente Person befragt werden. Dies gilt auch allgemein für Steuern beim Crowdfunding. Da durch unsachgemäße Versteuerung oder falsches Ausfüllen von Dokumenten viele Probleme entstehen können und auch viel Geld verloren werden kann, ist es bei jeder Art von Crowdsourcing-Projekt ratsam, sich vorher ausführlich über die steuerlichen Fragen zu informieren und sich kompetent beraten zu lassen. Dies gilt vor allem, wenn hohe Geldbeträge im Spiel sind.

Authored by: Tobias